Von Musikern und Taxifahrern

Für Sennheiser fuhr Daniel Ende Juni und Anfang Juli zweimal nach Berlin, Anreise war jeweils am Vortag, Assistentin Mandy beide Male schon vor Ort. Am Set wurde wegen der international zusammengewürfelten Musiker bei beiden Shootings Englisch gesprochen.

Hochgelegenes Aufnahmestudio JRS

Ende Juni fuhren die beiden früh morgens nach einer warmen Hotelnacht zum „Jazzanova Recording Studio“, kurz JRS. Das Studio liegt am angenehm unaufgeregt wirkenden Ende des Prenzlauer Bergs – in der sprichwörtlichen zentralen Randlage. Es ist in einer ehemaligen Fabriketage beheimatet, doch leider liegt es im 5. Stock. Der erhoffte Fahrstuhl fehlte, sodass das gesamte Team bei schon früh am Morgen herrschender Affenhitze das Equipment Stück für Stück hochtragen musste.

Yetundey

Daniel hat an diesem Tag hat die Künstlerin Yetundey bei ihrer Aufnahme fotografisch „auf leisen Sohlen“ begleitet. Yetundey ist Rapperin, Sängerin und Songschreiberin, in Ostdeutschland geboren und französisch-nigerianischer Abstammung. Ihr Leben ist durch die darstellenden Künste geprägt und sie hat schon seit ihrer Kindheit viel Zeit auf der Bühne verbracht.

Auch Axel Reinemer, Gründer des JRS, der sich seit über 30 Jahren der Musikproduktion verschrieben hat, war vor Ort. Seit 1996 wächst sein internationaler Bekanntheitsgrad als Mitbegründer des legendären Berliner Produzenten- und DJ-Kollektivs „Jazzanova“ sowie des zugehörigen Labels „Sonar Kollektiv“. Aus dem zunächst bandeigenen Studio entstand 2013 das kommerzielle Recording- und Mix-Studio.

David Lemaitre

Im Anschluss an Yetundey wurde der im Studio ansässige Singer-Songwriter David Lemaitre bei seiner Arbeit fotografisch still begleitet. Er wurde irgendwann Mitte der Achtziger im bolivianischen La Paz geboren. Mit Anfang zwanzig verschlug es David nach Europa, heute lebt er in Berlin.

Das Ende eines heißen aber erfolgreichen Tages nahte sich und wir fuhren mit einem kühlen, alkoholfreien Weizenbier im angenehm klimatisierten ICE nach Hause.

Wieder nach Berlin

Eine gute Woche später zogen wir wieder nach Berlin, dieses Mal aber nach Kreuzberg in die TRIXX Studios, die 1985 gegründet wurden. Den Abend des Vortages nutzten wir, um mit dem Team über die Bergmannstraße zu schlender. In einem kleinen Lokal namens „Felix Austria“ konnten wir uns besprechen, abstimmen und eingrooven. Eigentlich war dort kein Tisch mehr frei, aber es wurde uns direkt an der Küche noch etwas angeboten. Zum großen Gefallen von Mandy und Marco spielte der Koch neben uns bei seiner Arbeit Rock und Punk von AC/DC, Slime, The Clash …! Das Essen gelang ihm aber – vielleicht gerade wegen der Musik – hervorragend, es war nämlich köstlich. Abschließend gönnten wir uns alle noch ein Bier im Braugasthaus „Dolden Mädel“. Zum Glück bot das Hotel „Sarotti Höfe“ ein wunderbares Zimmer im Retro-Look, wo wir uns nachts gut ausruhen konnten.

Johnny Kulo in den TRIXX Studios

Der nächste Morgen startete etwas holperig, da die Zufahrt vom Studio von etlichen Großbaustellen blockiert war. Sobald das ganze Team angekommen war, brachten wir das Equipment bei beginnend heißen Temperaturen (aber längst nicht so extrem wie die Woche zuvor) ins Studio. Steffi, die gute Seele des Hauses, begrüßte uns und machte uns mit den Regeln vertraut.

An diesem Tag begleiteten wir den Multi-Instrumentalisten, Producer und Songwriter Johnny Kulo bei seiner Arbeit im Studio mit der Kamera. Für die Aufnahmen war Recording Engineer Fabio Buemi von Trixx zuständig. Johnny Kulos Songs kommen vor allem aus dem R&B-Soul-Genre. Sein Motto: „I make beats, play a bunch of instruments and like to sing when I‘m not too busy looking for a decent place to eat curry in Berlin“.

Assistenz Mandy hatte sich in der Küche neben den gekühlten Getränken einen Arbeitsplatz zur Datenübertragung gesichert, während Daniel im Aufnahmeraum beim ich-bin-eigentlich-überhaupt-nicht-da-fotografieren einen Schweißfluss nach dem anderen bekam.

Der zweite Shootingtag ging zu Ende und wir machten uns höchst zufrieden auf den Weg zum Bahnhof. Auf der Fahrt dorthin erzählte uns der Taxifahrer, dass er aus Mesopotamien (oder auch Zweistromland) stammt und bei einer großen Flut in den 60er-Jahren geboren wurde. Das genaue Datum kennt er nicht, denn seine Mutter sagte immer nur: „Es ist der Tag, an dem die große Flut war“. Mitten im Gespräch rief sein Sohn an und forderte dringlichst eine Botenfahrt zum Dönerladen, um etwas nach Hause gebracht zu bekommen. Die Antwort des Vaters: „Lieber fahre ich meine Gäste ganz bis nach Hannover, statt dir jetzt einen Döner zu bringen“. Das haben wir dann aber nicht in Anspruch genommen, auch wenn wir sicher gute Unterhaltung gehabt hätten.

Assistenz Mandy Klötzer, Licht Marco Minwegen